
These_01 / 2028–2032
„Eine völlig neue Welt entworfener Proteine — um Krankheiten zu heilen, Plastik und andere Schadstoffe abzubauen und uns an ein verändertes Klima anzupassen.“
David Baker · Biochemiker, University of Washington, Nobelpreis 2024
Bankettrede, Nobelpreisverleihung · 12/2024
Was wahr sein müsste
Baker hat den Nobelpreis nicht dafür bekommen, Proteine zu verstehen, sondern dafür, welche zu bauen, die es nicht gab. Das ist der Unterschied zwischen Naturwissenschaft und Ingenieurwesen — und er markiert den Punkt, an dem Biologie zum Werkstoff wird.
Damit sein Satz eintritt, muss der Weg vom Entwurf zum Wirkstoff kürzer werden, nicht nur der Entwurf selbst. Ein Protein zu entwerfen dauert inzwischen Tage. Es herzustellen, zu testen, seine Nebenwirkungen zu verstehen und zugelassen zu bekommen dauert unverändert Jahre. Der Engpass ist von einer Stelle an eine andere gewandert.
Der Einwand trifft eine andere, unbequemere Stelle: Wie viel von dem, was als KI-Entdeckung angekündigt wird, ist überhaupt neu? Palgraves Prüfung eines gefeierten Roboterlabors ergab, dass die vermeintlich neuen Materialien längst in Datenbanken standen. Das ist kein Argument gegen die Methode. Es ist eines gegen die Berichterstattung über sie — und es lohnt sich, den Unterschied im Kopf zu behalten.
Was du daraus bauen kannst
Die belastbare Regel aus dieser These lautet: Trau dem Entwurf, prüfe die Neuheit.
Für jeden, der in diesem Feld arbeitet oder investiert, ist die entscheidende Frage nicht, ob ein Modell etwas vorschlägt, sondern ob jemand unabhängig nachgesehen hat, ob es das schon gab. Diese Prüfung ist billig, unbeliebt und fast immer aufschlussreich.



